Bis Sommer 2020 läuft im Stapferhaus in Lenzburg/Schweiz eine Ausstellung zum Thema „Die ganze Wahrheit“. Ein Besuch inspiriert zum Nachdenken über das Thema – und das Lesen dieses Posts hoffentlich auch.

Angeblich lügen wir alle. Mindestens 20mal am Tag. Wir schummeln, verdrehen und schwindeln was das Zeugs hält. Dazu gehört das „Faken“. Wir täuschen, indem wir anderen etwas vormachen, uns verstellen, retuschieren und verfälschen. Konzerne schummeln mit Inhaltsangaben, Sportler dopen, Promis und Influencer gaukeln uns ein super Aussehen sowie eine glamouröse Welt vor, Politiker erfinden Fakten. Ganze Industrien inklusive der Medien beschäftigen sich damit, alternative Fakten zu verbreiten. Und wir sind mittendrin. Und fragen uns: Was ist denn noch echt, was ist wahr und was gelogen? Wem können wir überhaupt noch vertrauen?

Faken ist in

Wer das nicht glaubt, muss sich nur die Lügenbilanz Trumps ansehen. 3250 falsche Aussagen allein in seinen ersten 500 Tagen als amerikanischer Präsident – akribisch belegt durch die Washington Post. Keiner lügt weiter so systematisch wie er. Nur schadet ihm das? Im Gegenteil: Er setzt seine Ziele durch, im Zweifel auch gegen die Fakten.

„Nichts verändert die Wirklichkeit so effizient wie eine Lüge.“ Hanna Arendt

Dass Politiker die Wahrheit verdrehen, ist dabei nichts Neues. Das Spiel geht in aller Offenheit sogar noch tiefer. Denn wer bspw. Trumps Fakten widerspricht, ist gegen ihn. Seine Anhänger müssen ihm permanent ihre Loyalität beweisen, indem sie seine Lügen decken, sie gar mit verbreiten. Die, die widersprechen, werden mundtot gemacht, beleidigt, bedroht oder gar bestraft.

Das Lügen zieht Kreise. Wie ein Strudel. Nicht zum ersten Mal, und nicht nur in der Politik. Gute Beispiele sind massenhaft im Internet und den sozialen Medien zu finden. Dort, im „anonymen“ Raum, werden Lügen schamlos angewandt, um eine faszinierende, aber in der Realität nicht existente Welt vorzugaukeln.

Die Freiheit der Lüge

Die meisten Beiträge übers das Thema Fake bzw. Lügen erläutern an dieser Stelle, warum wir lügen, welche Lügen wichtig oder gar lebensbedrohlich sind.

Mich verblüfft jedoch vielmehr, wie wenig wir uns anscheinend aus der Wahrheit machen. Immer mehr Menschen lassen sich nicht mal mehr von harten Fakten überzeugen. Sie pfeifen auf Systematiken oder gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse. Selbst das Offensichtliche zählt nicht mehr. Wir scheinen derart verunsichert, dass platte Lügen genügen, um unsere Wahrnehmung zu blenden. Wir sind „dafür“ oder „dagegen“ – je nachdem, welches Lager wir vertreten. Tatsachen werden durch Meinungen ersetzt. Glaubwürdigkeit spielt dabei schon lange keine Rolle mehr.

Ich frage mich: Wieso lässt sich die Wahrheit so einfach beseitigen? Warum ist die Lüge so stark?

„Die Lüge ist einer der wenigen Beweise der Freiheit des menschlichen Willens: die seltsame Fähigkeit zu sagen, es regnet, wenn die Sonne scheint.“ Hanna Arendt

Und was folgern wir daraus? Fühlst du dich der Wahrheit verpflichtet? Ist die Wahrheit zu grausam, um sie zu ertragen? Braucht es Wahrheit, um authentisch zu sein? Handelst Du mehr nach Bauchgefühl oder Fakten?  Erwartest du von anderen, dass sie wahrhaft mit dir umgehen? Gibt es eigentlich „die“ Wahrheit? Gehört es zu deiner Wertvorstellung, (nicht)zu lügen?

Jede Inspiration bis zur spielerischen Erkenntnis sind willkommen.

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